Psychologische Begleitung für Sterneneltern

Ein Kind zu verlieren, egal zu welchem Zeitpunkt, ist sehr schmerzhaft. Bei den sogenannten Sternenkindern handelt es sich um Kinder, die zu verschiedenen Zeiten in der Schwangerschaft oder während/ kurz nach der Geburt verstorben sind. Oft bleiben die Eltern in Machtlosigkeit, Trauer, Wut und auch Einsamkeit zurück. 

 

Viele machen sich dann auf die Suche nach professioneller Unterstützung. Dies muss nicht immer gleich eine Therapie sein - schließlich ist Trauer keine Krankheit. Zudem hat natürlich jede*r einen eigenen Weg, um mit Trauer umzugehen. Trotzdem ist es für viele wichtig, über das Erlebte zu sprechen und gemeinsam Trauerarbeit zu leisten. Eine psychologische Begleitung kann zudem auch schwereren Folgen wie Depressionen präventiv vorbeugen. 

 

 

Als ich selbst eine Betroffene wurde, habe ich gemerkt wie wichtig psychologische Unterstützung es speziell für trauernde Eltern ist. Denn professionelle Unterstützung hilft nicht nur bei der Verarbeitung des meist traumatischen Verlusts, sie hilft auch der Beziehung, diesen gemeinsamen Verlust mit Liebe und Fürsorge zu überstehen. Denn nicht selten geraten auch Paare dabei an Ihre Grenzen. Vor allem wenn die Trauer sehr unterschiedlich gelebt wird, die Beziehung schon vorher belastet war oder etwaige Schuldzuweisungen im Raum stehen. Ich werde nie vergessen, wie man damals im Krankenhaus noch am gleichen Tag zu uns gesagt hat, dass viele Paare sich nach einem solchen Verlust trennen. Ein schockierende Aussicht, gerade in einem solchen Moment. Dabei gibt es ganz viel, was man tun kann, um einander zu stützen.

 

 Wie hilft Trauerbegleitung beim Verlust eines Kindes?

 

Trauerbegleitung kann dabei helfen

  • die Wochen/Monate nach einem noch ganz frischen Verlust zu überstehen
  • einen gesunden und achtsamen Umgang mit den eigenen Gefühlen zu etablieren
  • mögliche Traumata zu verarbeiten
  • unterschiedliche Trauerprozesse und -geschwindigkeiten in der Beziehung ohne Streit zu leben
  • besser auf die eigenen Bedürfnisse zu hören
  • mit dem Auf und Ab der Trauer achtsam umzugehen
  • sich selbst und einander Halt zu geben, bzw. Halt zu finden
  • entschieden Grenzen zu setzen, wo uns etwas oder jemand nicht gut tut
  • Tröstende Möglichkeiten des Abschieds und des Gedenkens zu finden
  • Zuversicht und neuen Lebensmut zu entwickeln (auch wenn das manchmal unvorstellbar ist)

 

Wie verläuft Trauer?

 

Psychologische Konzepte zur Trauer sprechen oft von verschiedenen Phasen, die durchlaufen werden. Es gibt zum Beispiel das Modell von der Psychologin Verena Kast, das ingesamt vier Phasen der Trauer beschreibt.

  1. Nicht-Wahrhaben-Wollen
  2. Aufbrechende Emotionen
  3. Suchen und Sich-Trennen
  4. Neuer Selbst- und Weltbezug

Wichtig zu verstehen ist, dass Trauer trotzdem höchst individuell verläuft. Zum Beispiel können die Phasen je nach Charakter, der eigenen Vorgeschichte mit Verlusten und nach den Umständen des Todes unterschiedlich lange und intensiv erlebt werden. Auch die Art des Trauerns kann ganz verschieden aussehen. So findet der eine vielleicht besonders viel Trost im aktiven Gedenken wie dem Gestalten des Grabes, dem Schaffen von Erinnerungsstücken usw. Jemand anderes hingegen geht zum Beispiel viel spazieren und braucht den Kontakt zur Natur. Darüber hinaus gibt es vielleicht Zeiten, in denen man sich zurückzieht und regelrecht vor der Außenwelt verschließt. In anderen Momenten möchte man aber das Leben nicht vorbeiziehen lassen und jetzt erst recht Freude aus der eigenen Lebenszeit schöpfen, quasi etwas machen aus dem Geschenk der Lebendigkeit. 

 

Herausfordernd kann dabei sein, dass man sich immer neu auf das jeweilige Bedürfnis einstellen muss, und dieses auch nicht vorhersehen kann. Man muss lernen, mit den eigenen Gefühlen mit zu schwimmen und sie wohlwollend zu begleiten. Das erfordert besondere Achtsamkeit mit sich selbst (oder dem Partner). Es kann auch schnell passieren, dass die Außenwelt interpretiert, man habe den Verlust "verarbeitet" und dann irritiert ist, wenn nach ganz guten Wochen wieder ein Rückzug mit starker Verzweiflung und Trauer kommt. Das ist aber ganz normal und sollte nicht wie ein unerwünschter "Rückfall" behandelt werden. Denn die Annahme der eigenen Gefühle ist von zentraler Bedeutung für eine gesunde emotionale Verarbeitung. 

 

Kann man sagen, dass Zeit alle Wunden heilt?

 

Erfahrungsgemäß ist der Verlust des eigenen Kindes nicht vergleichbar mit Trennungsschmerz oder anderen, üblicheren "Wunden". Der Schmerz ist ein ganz anderer, es ist ja nicht nur das Kind gestorben, sondern auch die gemeinsame Zukunft, das Leben als Familie, einfach alles, was die Zukunft noch gebracht hätte. Das eigene Leben hat also unwiderruflich eine Wendung genommen, die immer irgendwie schmerzen wird. Das eigene Kind zu verlieren fühlt sich außerdem wieder die Natur an. Bei unseren Eltern und Großeltern wissen wir ja schon unser Leben lang, dass es eines Tages so weit sein wird. Das eigene Kind hingegen hat man ja noch nicht mal richtig kennen lernen dürfen. Man wird sich immer fragen, wie wäre er/sie wohl gewesen? Was hätten wir zusammen erlebt? Dieser Schmerz kann nicht so leicht verblassen, wie einer der mehr "vorgesehen" ist. Viele Sterneneltern beschreiben, dass der Schmerz vor allem zum Todestag oder zu anderen "Daten" wieder genau so aufflammen kann wie ganz zu Beginn. Das heißt, auch wenn der Schmerz mit der Zeit tatsächlich verblasst und immer mehr in den Hintergrund tritt, so bleibt die Wunde trotzdem immer ein Stück weit offen. Somit "heilt" die Zeit diese Wunde nicht. Und doch beschreiben viele, dass der Schmerz nach einer (sehr individuellen) Weile Stück für Stück in den Hintergrund tritt, sodass der Raum für die Lebensfreude wieder größer werden kann. (Auch wenn man sich das am Anfang überhaupt nicht vorstellen kann.) Beispielswiese habe ich mich zu Beginn so gefühlt, als ob ich nie wieder glücklich sein kann. Es hat dann ca. ein Jahr gedauert, um die schlimmsten Phasen der Trauer zu überstehen. Eine therapeutische Begleitung und vor allem der Besuch einer Trauergruppe haben mir auf diesem Weg sehr geholfen. Ich kann aus eigener Erfahrung nur empfehlen, zumindest zu versuchen, ob eine externe Hilfe gut tut. Wenn nicht, kann man es ja auch wieder lassen. Man sollte nicht so lange warten, bis man auf längere Dauer keinen Halt und keine Hoffnung mehr hat.

 

Wenn Sie allein oder als Paar Interesse an einer psychologischen Beratung haben, können Sie gern ein kostenloses Erstgespräch mit mir vereinbaren. Mithilfe meines psychologischen Backgrounds und meinen persönlichen Erfahrungen versuche ich die Eltern bestmöglich in ihrer jeweiligen Situation zu unterstützen. Als Trauergruppe kann ich die Gruppe des Familienzelts in Prenzlauer Berg empfehlen. 

 

Über meinen Verlust und den Weg danach

 

Mein Sternenkind habe ich im neunten Monat verloren. Durch eine plötzliche Plazentainsuffizienz war mein Sohn unterversorgt und konnte trotz Notkaiserschnitt nicht mehr gerettet werden. Der Schock und der Schmerz waren kaum zu ertragen. Noch ein Tag zuvor war alles bestens gewesen - mein Mann und ich hatten gerade erst den Geburtsvorbereitungskurs gemacht. Anstatt das kleine Wesen lebendig mit nach Hause zu nehmen, hatten wir nun eine Beerdigung für unser Kind zu organisieren. Ein Kind, das noch nicht einmal ganz auf der Welt gewesen zu sein schien, und nun schon wieder weg war. 

  

Das erste, was die Seelsorgerin im Krankenhaus zu uns sagte, werde ich nie vergessen: "Jeder trauert unterschiedlich, gestehen Sie sich das zu und seien sie liebevoll miteinander.“ Wie recht sie hatte! Nichts half mir in der Zeit so sehr wie das gemeinsame Trauern, die Achtsamkeit miteinander und ganz generell die Liebe meines Partners, egal welche Phase ich gerade durchmachte. 

 

Mein totes Kind auf dem Arm zu halten, einen kleinen Sargdeckel mit Blumen zu verzieren, ein schönes Grab auszuwählen - das alles war zugleich unwirklich und auf brutale Weise real. Manchmal konnte ich einfach nicht fassen, dass das nun mein Leben sein soll. Dass ich nie wieder so werde wie vorher. Unbedarfter und fröhlicher. Zwar gab es schon bald wieder Momente, in denen ich gelacht habe oder an anderes denken konnte. Doch das Grundgefühl hatte sich unumkehrbar verändert. Oft war es schwer, überhaupt weiterzumachen. Und manchmal habe ich mich wie gefangen gefühlt. Das Leben ging weiter, irgendwie konnte man ja nicht auf Dauer den Alltag anhalten. Und gleichzeitig war ich von dem unterschwelligen Gefühl bestimmt, dass alles was noch kommt, nicht mehr wichtig ist. Dass es sich nicht lohnt, weiterzumachen. 

 

Nach einem halben Jahr nahm ich eine Kurzzeittherapie in Anspruch, die mir half, nicht nur in Trauer an mein Kind zurück zu denken, sondern auch mit positiven Gefühlen. Gleichzeitig gab es Stück für Stück auch wieder Dinge, auf die ich mich freuen konnte. Seien es Feste, Urlaub oder Zeit mit Freunden. Es war ein erleichterndes Gefühl, zu spüren, dass das Leben trotzdem wieder schön werden kann.

 

Ca. ein Jahr nach dem Tod meines Kindes ging ich zum ersten Mal zu einer Trauergruppe. Im Nachhinein würde ich sagen, dass es mir schon sehr viel früher ganz gut getan hätte, dort hinzugehen. Ich sah zum ersten Mal andere Eltern, die ähnliches erlebt hatten. Die Erlebnisse und den Schmerz miteinander zu teilen, war heilsam und wärmend. Denn ich hatte vorher nie das Gefühl, dass mich außer meinem Partner wirklich jemand verstehen kann. Durch den Trost der Gruppe und eigene Wege des Gedenkens hatte ich irgendwann das Gefühl, die schlimmste Zeit hinter mir gelassen zu haben. Stück für Stück hatte ich wieder das Gefühl, mein Leben schätzen, genießen und gestalten zu können.

 

Mittlerweile durfte ich ein gesundes Kind zur Welt bringen. Die Schwangerschaft hielt natürlich viele Sorgen und Ängste bereit und kostete dementsprechend viel Kraft. Nach der Geburt war da neben der Erleichterung und Freude über meinen Sohn auch noch einmal die Trauer um all das, was ich mit meinem ersten Sohn nicht hatte haben können. In der Zeit habe ich ihn noch einmal sehr vermisst. Gleichzeitig tat es gut, endlich aktiv Mutter sein zu können. Unser erster Sohn begegnet uns nach wie vor an vielen Stellen im Leben und er erinnert uns daran, das Leben zu schätzen. Und er hat weiterhin einen festen Platz in unserer Familie.