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Beziehungspflege in der Elternschaft - 10 Tipps aus der Paartherapie

Eines muss vorweg gesagt sein. Die Zeit, die man als Paar ohne Kinder füreinander hatte, wird weniger, sobald man Kinder hat (je kleiner die Kinder, desto weniger Zeit und Selbstbestimmtheit). Gleichzeitig wird die Belastung höher, durch all die Verantwortung, die Eltern haben und spüren. Das ist für fast alle Menschen eine anspruchsvolle Zeit im eigenen Leben. Partnerschaft ist dabei sowohl Stütze als auch eine Variable, die zusätzlichen Stress verursachen kann. Beides ist völlig normal. Trotzdem kann es sein, dass man sich ab einem bestimmten Punkt nicht mehr als Team empfindet, sich aus den Augen verliert, sich viel streitet oder eher nebeneinander herlebt. Phasenweise ist auch das normal und muss die Beziehung nicht gefährden. Wichtig ist, dass gemeinsam Lösungen gesucht werden. Und für den Fall, dass dies alleine nicht gelingt, gibt es die Paartherpapie. Sie hat schon vielen Paaren und eben auch Eltern geholfen, sich wiederzufinden, wiederkehrende Streitmuster zu druchbrechen und Nähe, Vertrauen und emotionale Verbundenheit wieder herzustellen.

 

Für diesen Blockartikel habe ich meine 7 wertvollsten Tipps für (junge) Eltern heruntergeschrieben. Ich hoffe, sie inspiereren euch. 

 

1. Erwartungen realistisch halten

 

Vielleicht ist das der wichtigste Punkt: Anzuerkennen, dass dies vermutlich nicht die Phase ist, in der alle eure Bedürfnisse erfüllt werden. Sprecht darüber, was gerade zu kurz kommt. Lasst Gefühle wie Trauer, Frust oder Wut darüber zu – sie sind kein Zeichen von Scheitern, sondern von Zugeständnis an die Herausforderungen, denen ihr gerade (beide) im Leben begegnet.

 

Gleichzeitig könnt ihr gemeinsam schauen: Welche Bedürfnisse sind aktuell wirklich essenziell? Und welche dürfen (schmerzhaft, aber bewusst) auf leichtere Zeiten warten? Braucht jeder Ausdruck von Frust eine Lösung (vom anderen)? Oder reicht auch gegenseitiges Trösten, ein warmer Kaffee und eine Umarmung? Allein dieses gemeinsame Verständnis kann enorm entlasten.

 

2. Echte Beziehungskiller eliminieren

 

Hand aufs Herz, wie gerecht ist die mentale und emotionale Last verteilt? Hier geht es nicht darum, alles immer exakt 50/50 zu machen. Denn das führt meist auch zu Stress, denn nicht jeder hat immer 50% zu geben und das ist ok. Wichtig ist aber, dass der Mental Load sowie das tatsächliche Ausführen sich im großen und ganzen die Waage halten in der Aufteilung, sodass kritische Aufgaben für den funtionierenden Alltag nicht im Übermaß und dauerhaft von einer Person getragen werden. Hier empfehle ich "Raus aus der Mental Load-Falle" von Patricia Cammarata. Es lohnt sich aber auch schon mal, wenn ihr beide einfach mal eine Liste macht, welche Aufgaben typischerweise jeweils bei euch liegen, wie oft diese anfallen und wie schlimm es auf einer Skala von 1-3 ist, wenn diese nicht erledigt werden würden.

 

Ein weiterer Beziehungskiller kann es sein, wenn finanzielle Ungerechtigkeit in der Partnerschaft besteht - also wenn der Zugang zum Familieneinkommen nicht gleichberechtigt möglich ist, finanzielle Ungleichheit aufgrund von Care-Arbeit nicht ausgeglichen wird o.Ä. Darüber sollte meines Erachtens nach jedes Paar sprechen, auch wenn es sich unangenehm und unromantisch anfühlen könnte.

 

3. Die eigenen (Beziehungs-) Muster hinterfragen

 

Wir alle lernen Beziehung von den ersten Menschen, die in unserem Leben vordergründig sind - das sind oft unsere eigenen Eltern, manchmal auch Großeltern oder andere präsente Erwachsene. Sie prägen maßgeblich unseren Bindungsstil, also wie sicher wir uns grundsätzlich in Beziehungen fühlen, wie es um unseren Selbstwert bestimmt ist und vieles mehr. Außerdem sind sie die ersten Modelle für uns, anhand denen wir lernen, wie man in Beziehungen miteinander umgeht. Später kommen dann unsere Erfahrungen in romantischen Beziehungen dazu.

 

Es wäre fatal zu verkennen, dass wir dadurch massiv geprägt werden und unsere Bemühungen und Wünsche für die eigene Beziehung manchmal durch unsere Prägungen gefärbt werden. Daher ist es unheimlich wichtig, sich der eigenen Prägungen bewusst zu werden und einen Umgang mit ihnen zu finden, sodass wir nicht blind von ihnen gesteuert werden. Denn unter (emotionalem) Stress kommen unsere frühesten (Ein-) Prägungen meist am stärksten zum tragen, da wir weniger Kraft und Zeit haben, einen Schritt zurück zu treten und uns zu regulieren. Hier helfen diverse Therapien, Coachings, Selbsthilfebücher, Podcasts etc. zu den einschlägigen Themen, um sich auf den Weg zu machen. 

 

Beispiele sind:

  • Überhöhte Ansprüche an die Beziehung bzw. den Partner / die Partnerin, wie glücklich sie / er einen machen soll
  • Starke Eifersucht
  • Das Gefühl, sich auf niemanden verlassen zu können
  • Der Glaube, dass man nur geliebt wird, wenn man alle Erwartungen um einen herum erfüllt
  • U.v.m.

 

4. Sich selbst unterstützen, sich selbst versorgen

 

Hier geht es darum, die Verantwortung für sich zu übernehmen. Du weißt am besten, was du brauchst und bist dafür verantwortlich, dies umzusetzen oder zu kommunizieren. Als Eltern kann man von der anderen Person nur bis zu einem gewissen Grad erwarten, dass sie die eigenen Bedürfnisse kennt und ermöglicht.

Du selbst musst dafür sorgen, dass du im Rahmen der Möglichkeiten Zeiten der Erhohlung, der Stärkung, der Lebendigkeit erhältst. Ja, manchmal erscheint das wirklich nicht möglich. Doch es gibt immer Sachen, die man auch mal liegen lassen kann, bei denen man Ansprüche herunterfahren kann und niemand wird davon sterben. Wenn du dich jedoch jahrelang aufopferst und nicht für dich sorgst, wirst du ausbrennen und Beziehungspflege ist dann sowieso nicht mehr möglich.

 

Opfert, anstatt eurer Beziehung und eurer mentalen und körperlichen Gesundheit lieber ein paar Prinzipien, Vorhaben o.Ä., auch wenn es euch schwer fällt. Im Nachhinein würden die Paare, die sich selbst und einander in diesem Alltags-Wahnsinn verlieren, lieber ein, zwei mehr Fertig-Mahlzeiten, ein paar mehr Minuten Screen-Time, weniger Wochenarbeitszeit und dafür ein paar Abstriche im Lifestyle, eine halbe Stunde länger Kita an harten Tagen usw. eintauschen, wenn sie dafür ihre Beziehung zueinander wiederbekämen.

(Natürlich setzt das voraus, dass man finanziell auch ein paar Abstriche machen kann, ohne gleich seine Wohnung zu verlieren. Es ist klar, dass nicht jede*r diese Wahl hat.) Oft haben Paare sie aber und erkennen es nicht. Es muss immer Raum für eigene Inseln geben, sowohl individuell als auch als Paar. Es ist eure Aufgabe, sie euch selbst zu suchen und zu sie sich auch zu erlauben. 

 

Mein Lieblings-Trick: Immer, wenn man einen Anspruch herunter schrauben müsste und man ein schlechtes Gewissen bekommt, fragt euch Folgendes: Geht es meinem Kind dadurch wirklich (auf Dauer) schlechter? Gefährdet es mein Kind wirkich? Wenn nicht: Mein Kind darf jetzt von mir lernen, dass es wichtig ist, sich um das eigene Wohlbefinden zu kümmern. Es wird mehr von mir profitieren, wenn ich ausgeglichener und weniger gestresst bin. Wahrscheinlich ist unsere Freude am Abendbrottisch relevanter für die Gesundheit meines Kindes, als die Nährwärte der Mahlzeit.  

 

5. Die eigenen Grenzen kennen und ziehen

 

Mit dem Bewusstsein über die eigenen Bedürfnisse kommt man als Eltern leider nicht an der anderen Perosn vorbei. Denn wo man früher nicht voneinander abhängig war, ist man es jetzt mit der gemeinsamen Sorgearbeit sowie geteiltem Wohnraum definitiv. Konkret kann man eben erst zum Sport gehen, wenn der oder die andere physisch anwesend ist.

 

Damit die Selbstfürsorge und die gegenseitige Fürsorge funktionieren, braucht es klare Absprachen und gemeinsame Grundwerte, die eingehalten werden. Ein Streit-Klassiker unter den Eltern ist, wenn Absprachen nicht funktionieren oder Uneinigkeit in Erziehungfragen herrscht. Wenn Grenzen, die eigentlich ausgehandelt waren, wiederholt verletzt werden, braucht es Konsequenzen. Vor einer Trennung gibt es noch tausend andere Arten von Grenzen, die gezogen werden können. 

Manche davon werden jedoch gar nicht als Grenzziehung vom anderen erkannt, manche Menschen ziehen gar keine Grenzen (weil sie es sich nicht zugestehen oder konfliktscheu sind) und schlucken alles herunter bis sie explodieren oder "plötzlich" keine Gefühle mehr haben. Hier kann wirkich viel zwischen den Zeilen verloren gehen, was extrem schade ist. Hier helfen natürlich Paartherapien und Einzelbegleitungen enorm weiter. Wer erst einmal ins Thema einsteigen will, kann zahllose Podcasts zu diesem Thema finden. 

 

6. Dem anderen / der anderen wohlwollend entgegentreten

 

Das ist eine Übung, die insbesondere in anstrengenden Phasen des Eltern-Seins schwer sein kann. Oft hilft aber der Blick darauf, dass ihr beide gerade in einer wirklich fordernden Zeit eures Lebens seid und beide euer Bestes gebt. Versucht euch vor Augen zu führen, welche Stärken der / die andere in eure Beziehung und Elternschaft einbringt. Denn oft versteift sich der Blick in den Phasen, in denen wir selbst am Schwimmen sind, auf die Dinge, die der andere noch nicht gut genug macht. Bei aller Arbeit an euch selbst und an eurer Beziehung: Versucht euch immer wieder in einen wohlwollenden und liebevollen Gefühlszustand hineinzubegeben, gebt dem / der anderen und auch euch selbst Zeit, Geduld und Vertrauen. 

 

Mein Lieblingstrick: Stellt euch vor, wie ihr mit 70 über die jetzige Zeit redet. Über welche Situationen, die jetzt stressig sind, würdet ihr später lachen? Was würdet ihr mit mehr Lebensruhe und Abstand anders betrachten als jetzt? 

 

7. Gelegenheiten nutzen, wenn sie sich bieten

 

Ihr seid beide im Home-Office, während euer Kind in Kita oder Schule ist? Euer Kind hat sich am Nachmittag verabredet? Oma und Opa sind zu Besuch? Super! Versucht durch diese Portion extra Zeit, nicht noch mehr zu "schaffen" sondern nutzt diese Gelegenheit für Zweisamkeit! 

 

  1. Wichtigste Regel dabei: Kein Orga-Talk, sondern emotionale Verbindung füttern: Wie geht es euch heute, in letzter Zeit, was bewegt euch (abgesehen von Dingen, die noch erledigt werden müssen)?
  2. Zweite Regel: Präsent sein, Handys weglegen, so gut es geht.
  3. Dritte Regel: Offen für Begegnung sein - jetzt ist kein Performance-Momentum für die Beziehung! Verbindung entsteht durch Loslassen und gegenseitige Aufmerksamkeit, Druck macht alles kaputt.

Macht was euch einfällt und gut tut, folgt euren Impulsen. 

 

Zum Schluss

 

Elternschaft ist keine einfache Phase für eine Beziehung. Aber sie ist auch eine, in der viel Tiefe entstehen kann. Nicht Perfektion ist entscheidend, sondern: Ehrliche Kommunikation, gegenseitiges Verständnis und die Bereitschaft, immer wieder aufeinander zuzugehen. Ihr müsst das nicht perfekt machen. Nur gemeinsam. 

 

Wenn ihr euch dafür Unterstützung wünscht, kommt gern mal vorbei.

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